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Irgendwann beginnt der Name, für einen zu arbeiten, heißt es. Der Zeitpunkt mag gekommen sein, wenn ein Headhunter sich meldet und um ein Gespräch bittet. Wie das Treffen dann aussieht, hängt von Branche, freier Stelle und nicht zuletzt vom Kandidaten ab. Es könnte sich aber so abspielen wie in unserem fiktiven Vorstellungsgespräch.
Nun ist Bastian Mühler doch nervös. Der Wirtschaftsingenieur hat heute frei, aber der Tag ist alles andere als Urlaub, auch wenn sein Chef ihn im verlängerten Wochenende wähnt. Stattdessen betritt Mühler in voller Business-Montur einen Besprechungsraum einige Kilometer vom Firmensitz des Arbeitgebers entfernt und wird von Peter Stanig begrüßt. Stanig ist Personalberater bei einer größeren Agentur und hat Bastian Mühler vor einigen Wochen in seinem Büro angerufen.
Nun sieht Mühler zum ersten Mal den Mann, der im übertragenen Sinne hinter seinem Kopf her ist - möglicherweise. Es gebe da eine interessante Stelle bei einem aufstrebenden Unternehmen in Mühlers Branche, hatte Stanig ihn am Anfang wissen lassen. Man solle sich kennenlernen.
Wie die kurze Anreise gelaufen sei, will Stanig wissen, wieder Stau auf der Autobahn? Small-Talk, wie er jeden Tag geführt wird, Bastian Mühler kennt das. Und doch macht er sich schon Gedanken: Erwähnen, dass es „heute ausnahmsweise“ keinen Stau gab? Oder wirkt das pedantisch? Inzwischen sitzen beide, der Kaffee steht bereit.
Werbung in eigener Sache
Peter Stanig geht nun zum Geschäftlichen über: Den Interessenten habe er Bastian Mühler ja schon vorher mitgeteilt, ein innovatives Maschinenbau-Unternehmen, das auf dem südamerikanischen Markt Fuß fassen will und Führungskräfte mit entsprechenden Fremdsprachenkenntnissen und Auslandserfahrung sucht. Das muss erst einmal reichen, denn nun ist Bastian Mühler an der Reihe: Er soll in aller Kürze seinen Werdegang präsentieren.
Mühler fängt an, beginnt beim „anderen Dienst im Ausland“, den er vor dem Studium in Brasilien absolviert hat, erzählt vom Auslandsstudium in Spanien, der preisgekrönten Abschlussarbeit und seinem Praktikum in Uruguay.
Stanig macht sich gelegentlich Notizen, bewertet neben fachlichen Informationen auch Auftreten und Kommunikationsfähigkeit. Als Mühler vom Auslandspraktikum zu seiner Stelle in Deutschland überleitet, hakt Stanig zum ersten Mal nach: „Was zieht sie eigentlich immer wieder da runter?“ Mühler spricht von der großen Bandbreite beruflicher Möglichkeiten, der Option, schnell viel Verantwortung übernehmen zu können. Wieso er dann doch über Jahre im Schwäbischen gelandet sei, fragt Stanig, und erfährt von besseren Verdienstmöglichkeiten und der unerfüllten Aussicht, die Verantwortung für den Südamerika-Vertrieb des aktuellen Arbeitgebers übernehmen zu können.
Vorbereitung auf kritische Fragen ist wichtig
Das Gespräch wird immer mehr zum schnellen Frage-Antwort-Spiel, für Mühler gelegentlich zu schnell. Was er aktuell verdiene, will Stanig wissen: Mühler weicht aus, spricht von Steuer und geldwerten Vorteilen, Stanig hakt nach. Wieso es denn nicht geklappt habe mit der erwarteten Versetzung, fragt Stanig. Mühler hat die Frage erwartet, sagt, er wolle nicht schlecht reden über den aktuellen Arbeitgeber, müsse aber doch persönliche Gründe vermuten. Welches Verhältnis er zum Chef habe, fragt Stanig, wie dringend Mühler eigentlich wechseln wolle. Er macht sich weiter Notizen, lenkt das Gespräch dann weiter in Richtung des suchenden Unternehmens, erfragt die Ziele, die Mühler sich dort setzen würde.
Nach einer knappen Stunde nähert sich das Gespräch dem Ende. Stanig gibt Mühler die Hand, sagt, er werde sich gegebenenfalls melden und ihn in jedem Fall für ähnliche Stellen im Hinterkopf behalten. Nachdem er Mühler zur Tür gebracht hat, öffnet der Personalberater einen Ordner und heftet seine Notizen zu Mühlers Lebenslauf - darunter liegen bereits die Anmerkungen zu sieben weiteren Kandidaten.
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