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Junge Chefs: Konflikte mit älteren Kollegen vermeiden

Bewährungsprobe für den Manager-Nachwuchs: Mit Offenheit, Konsequenz und Respekt können junge Chefs Konflikte mit älteren Mitarbeitern vermeiden. Dabei brauchen sie viel Fingerspitzengefühl.

junger ManagerEndlich Chef! Mit Übernahme der ersten Manager-Aufgabe wähnt sich so mancher ehrgeizige Jung-Chef auf der beruflichen Überholspur. Als Team- oder Projektleiter darf er nun beweisen, dass seine Vorgesetzten ihn zu Recht als High Potential handeln. Entsprechend ist der Elan, mit dem die neue Aufgabe angegangen wird. Der Arbeitsalltag in der ungewohnten Manager-Rolle gestaltet sich für viele dann aber ernüchternd bis schmerzhaft.

Sich behaupten lernen
Sachkompetenz und großer Einsatz allein reichen nun nicht mehr aus – die eigene Performance ist auf einmal abhängig von der Leistung des Teams. Und das reagiert längst nicht immer mit freudiger Erwartung auf den frisch gebackenen Chef. Im Gegenteil: Hat sich der Neue beispielsweise im Wettbewerb mit anderen, bis dahin gleichrangigen Kollegen durchgesetzt, können Neid und Missgunst der jetzt Untergebenen schnell zu einer negativen Gruppendynamik und einem erheblichen Abfall der Teamleistung führen. Diffizil wird die Sache aber auch, wenn ein junger Manager auf einmal Mitarbeiter anleiten soll, die deutlich älter und damit berufserfahrener sind als er selbst.

Soziale Intelligenz gefordert
Um das daraus resultierende Konfliktpotential zu entschärfen, bleibt dem neuen Chef nur die Flucht nach vorn. Gefordert sind soziale Intelligenz und ein entsprechendes Führungsverhalten – mit einsamen Entscheidungen und dem autoritären Rückzug auf die neue Rollenverteilung ist das Scheitern dagegen vorprogrammiert. Keine Frage, ohne das Selbstvertrauen, der Aufgabe gerecht zu werden, geht es nicht. Wenn der Glaube an die eigene Stärke jedoch zur Überheblichkeit gegenüber älteren Mitarbeitern und gewachsenen Strukturen führt, reagieren die älteren Mitarbeiter im Team höchst empfindlich – und dies nicht nur wegen des gekränkten Egos. Im Gegensatz zu dem risikofreudigen Jungspund an der Spitze haben die Älteren ein deutlich ausgeprägteres Sicherheitsbedürfnis. An dem Job hängt schließlich häufig die gesamte Existenz mit Frau, Kindern und Eigenheim, und berufliche Alternativen sind nur noch bedingt gegeben. Neuerungen sollten deshalb behutsam anmoderiert werden, der Respekt vor dem Gegenüber immer spürbar bleiben. Experten empfehlen einen offenen, ältere Mitarbeiter bewusst einbeziehenden Führungsstil auf gleicher Augenhöhe, um Angstbeißerei zu vermeiden – argumentieren statt durchpauken. Ich brauche dich und deine Erfahrung: Wenn diese Botschaft glaubwürdig vermittelt wird, ist viel gewonnen.

Bei aller Behutsamkeit und dem notwendigen Fingerspitzengefühl sollten sich Jung-Chefs jedoch nie auf der Nase herumtanzen lassen. Mitarbeiter loten ihre Spielräume gegenüber neuen Vorgesetzten stets aus, bei Youngstern noch mehr als bei Arrivierten. Da hilft dann nur eines: konsequentes Kurshalten.

Autor: Jan Tiedge
Eurams, 2008

 
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